{"id":15,"date":"2010-11-17T10:45:10","date_gmt":"2010-11-17T09:45:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.bzvi.de\/?p=15"},"modified":"2018-05-26T13:52:59","modified_gmt":"2018-05-26T12:52:59","slug":"abfent-abfent-die-huette-brennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.bzvi.de\/?p=15","title":{"rendered":"Abfent, Abfent, die H\u00fctte brennt\u2026"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Kaum ein alle Jahre wiederkehrendes Ereignis, wie es Weihnachten ist, wirft einen derart l\u00e4hmenden Schatten \u00fcber Millionen von Menschen. Nicht Ostern, Pfingsten, ja nicht einmal der eigene Geburtstag l\u00f6st den kollektiven St\u00f6hner derart wirksam aus wie Weihnachten: \u201cMein Gott, wie doch die Zeit vergeht\u2026!\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Schon bev\u00f6lkern wieder die in Nikol\u00e4use umgeschmolzenen Rest-Osterhasen aus dem Fr\u00fchjahr 2010 die Auslagen und einschl\u00e4gigen Krabbelk\u00f6rbe der Superm\u00e4rkte, und sie signalisieren die beginnende kollektive L\u00e4hmung, die das ganze Volk befallen m\u00f6chte. Es weihnachtet! Wer diesem Bazillus erliegt, verliert schnell den Kontakt zum Gegenw\u00e4rtigen, zum Hier und Jetzt. Da kommen sie angerauscht, die Verhaltensnormen, die Erfordernisse gesellschaftlich geforderten Handelns \u00fcberragen zunehmend alles andere, Kinder, Enkel, Nichten und Neffen brauchen Geschenke, die zwar unserem schmalen Geldbeutel entsprechen, aber vor allem eine Marktl\u00fccke treffen m\u00fcssen, damit nicht wieder einmal der Weg zum Umtausch der Geschenke ansteht.<\/p>\n<p>Wen besucht man wann und wo? Oder kann man nicht doch noch schnell einen Last-Minute-Flug nach Antalya ergattern? Welche Weihnachtskarten soll man aussuchen? Soll man den Adventskranz selber binden oder einen kaufen? Ist die diesj\u00e4hrige Brandversicherung f\u00fcrs Haus schon bezahlt? Falls nicht, kann man das aus dem Weihnachtsbudget vielleicht noch abzweigen oder nicht?<\/p>\n<p>Das wirkt alles ein wenig \u00fcberzeichnet, oder? Die Wahrheit ist jedoch, dass wir fast alle in diesen Sog hineingeraten, die gewohnte Irritation erleben, jedenfalls in hohem Ma\u00dfe handlungsunf\u00e4hig werden, was unsere tats\u00e4chlichen Erfordernisse als Opfer einer Zwangsversteigerung betrifft. Wir m\u00fcssen uns im klaren dar\u00fcber sein, dass es in unserem Leben tats\u00e4chlich nur den gegenw\u00e4rteigen Augenblick gibt, die vermeintlich frohe Erwartung des Festes jedoch eine kollektive Gefangennahme der letzten geistigen Ressourcen signalisiert, die wir eigentlich jetzt besonders dringend brauchen.<\/p>\n<p>Eine ideale Zeit \u00fcbrigens, um Gerichtsbeschl\u00fcsse abzufassen, einfach weil die Gefahr, dass die Schuldner der Nation gegen die Beschl\u00fcsse vorgehen, in diesen Wochen vor Weihnachten geradezu gegen Null tendiert, zumindest bei denjenigen Betroffenen, die der Vorweihnachtsl\u00e4hmung schon zum Opfer gefallen sind.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich nichts dagegen, wenn wir Weihnachten als Gewohnheit unserer Kultur feiern, aber gerade wir in der Zwangsversteigerung stehenden Menschen sollten uns davon nicht soweit einfangen lassen, dass wir handlungsunf\u00e4hig werden. Ganz im Gegenteil sollten wir die L\u00e4hmung der anderen dazu nutzen, um jetzt besonders wirksam an der L\u00f6sung unserer Probleme zu arbeiten. Denn auch bei den Gerichten und den Banken ticken jetzt die Uhren mitunter merklich langsamer. Nutzen wir doch die Zeit, um unseren Kenntnisstand zu verbessern, nutzen wir die Zeit, um uns kompetent beraten zu lassen, damit wir eine gute Grundlage zur Verteidigung unseres Eigentums aufbauen k\u00f6nnen. Stellen wir doch jetzt die brennenden Fragen und denken alles ordentlich zu Ende, damit wir nicht l\u00e4nger wie das Kaninchen vor dem Schlangennest erstarrt verharren, bis der\u201derl\u00f6sende Biss\u201d endlich erfolgt!<\/p>\n<p>Wenn man die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Statistik, dass 10% der deutschen Haushalte restlos \u00fcberschuldet sind, und die Medienberichte dar\u00fcber anschaut, kann einem ganz schlecht werden \u00fcber die Botschaft, die damit verkn\u00fcpft wird: Nie ist die Rede von den Schuldnerrechten, immer wird nur gesagt, man m\u00fcsse eben seine Schulden letztlich bezahlen, in drastischen Fernsehberichten steht der Schuldner immer als Looser da, als Opfer mitunter, aber jedenfalls als ein wehrtloses Etwas am unteren Ende der sozialen Leiter. Und wenn man dann mit den Redaktionen spricht, die solche Sendungen zu verantworten haben und fragt, warum nicht auch ver\u00f6ffentlicht wird, dass die Schuldner auch Rechte haben und diese wahrnehmen k\u00f6nnen \u2013 auch sehr erfolgreich -, dann bekommt man schlie\u00dflich als Antwort, dass die Werbekunden der Sender nicht ver\u00e4rgert werden d\u00fcrfen und dass man sich so etwas wie eine objektive Berichterstattung in diesem Bereich einfach nicht leisten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich fiel in einem Gespr\u00e4ch die Frage: Was w\u00fcrde denn geschehen, wenn sich alle Schuldner aller zul\u00e4ssigen vom Gesetz vorgesehenen Rechtsmittel bedienen w\u00fcrden, um im f\u00fcr das Zivilrecht geltenden Antragsverfahren in die eigenen Zwangsversteigerungsverfahren wirksam einzugreifen? Die Antwort eines Richters im Ruhestand war es, dass dann das gesamte Vollstreckungsrecht in der Durchf\u00fchrung zusammenbrechen w\u00fcrde und aufgrund der Verfahrensverl\u00e4ngerung nicht mehr so durchf\u00fchrbar w\u00e4re, dass die wirtschaftlichen Belange der Gl\u00e4ubiger noch irgendwie hinreichend ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wie gut w\u00e4re das doch! Nicht etwa um die Gl\u00e4ubiger zu belasten und an der Nase herumzuf\u00fchren, sondern dadurch w\u00e4re die Zwangsversteigerung vielleicht nicht mehr so sehr attraktiv und der Weg zu wirtschaftlich sinnvollen L\u00f6sungen w\u00e4re vielleicht gerade f\u00fcr die Banken um einiges attraktiver als die gewohnte Rei\u00dfleine ZV zum fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt.\u00a0 Aber ich fange schon wieder an mich zu wiederholen. Also seien wir wachsam, mehr denn je, und hoch aktiv. Lassen wir uns blo\u00df nicht einlullen von dem vorweihnachtlichen Zuckerersatzstoff, der wie jedes Jahr auch jetzt wieder \u00fcber uns hereinbricht, als gef\u00e4lschtes emotionales \u00dcberdruckventil f\u00fcr ansonsten tats\u00e4chliche aber unterdr\u00fcckte Emotionen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Die in der \u00dcberschrift gew\u00e4hlte Bezeichnung \u201cAbfent\u201d stammt von einem meiner liebsten Kabarettisten, dem Gerhard Polt, aus seiner gleichnahmigen CD \u201cAbfent, Abfent\u2026\u201d. Mit einem Zitat daraus m\u00f6chte ich den heutigen Beitrag beenden, weil er so sehr wahr ist:<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0\u201dAber was ist schon ein Jahr? Gerade noch war der Nikolaus da mit seinem Gabensack, da steht schon wieder der Gerichtsvollzieher vor der T\u00fcr\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bzvi.de\/kontakt.html\">Kontakt<\/a><\/p>\n<p><em>Euer Admin<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein alle Jahre wiederkehrendes Ereignis, wie es Weihnachten ist, wirft einen derart l\u00e4hmenden Schatten \u00fcber Millionen von Menschen. 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